Vorkommen von Bambus

Bambus ist der Sammelbegriff für weltweit rund 1.250 Arten.

Diese sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Europa und der Antarktis beheimatet und ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von 46° nördlicher bis 47° südlicher Breite.

Bambusvorkommen

Für den Pfeilbau wird vorzugsweise Tonkin-Bambus aus dem Hochland von China importiert.

Tonkin-Bambus ist robust und wird als das 'natürliche Carbon' bezeichnet.

Bambuswald


Einsatz

Seit Jahrhunderten wird Bambus u. a. als Bau- und Werkstoff für Möbel, Hausbau, Fußböden etc. eingesetzt.

Auch beim Bogenbau (Yumi, Kyodo) ist es ein traditioneller Werkstoff. Bambus findet zudem bei der Pfeilherstellung Verwendung.

Bambusschäfte


Aufbau

Die Halme sind hohl und werden durch Nodien in Segmente gegliedert. Die Nodien sind nicht hohl, sondern massiv und biegen sich nicht.

Bambusnodie

Die Halmwandung ist sehr hart und wird durch feste Fasern zusammengehalten. Das in der Faser enthaltene Lignin, welches auch im Holz enthalten ist, macht die Halme fest und stabil. Über diesen Fasern liegt eine glatte Schutzschicht.

Bambusstirnseite

Im Innern des Bambus befindet sich das Mark, das aber nicht wesentlich zur Stabilität beiträgt.

Bambusmark


Aufbereitung

Bambus wird zur Pfeilherstellung langsam getrocknet, gerichtet, die Nodien geschliffen, wobei hier die Fasern nicht durchtrennt werden, gespined und die Oberfläche behandelt. Bambus weist, bedingt durch seinen Wuchs, eine konische Form auf, was einem natürlichen Taper entspricht.


Vergleich zu Holz

Im Vergleich zum Bambusschaft wird der Holzschaft bei der maschinellen Herstellung gefräst und geschliffen, um die runde Form herzustellen. Dabei werden zwangsläufig Fasern durchtrennt, was zu Lasten der Festigkeit geht.

Diese Bearbeitung findet beim Aufbereiten von Bambusschäften keine Anwendung.

Bambus hat von Natur aus, durch den hohen Anteil an Kieselsäure, eine enorme Formstabilität und Materialhärte. Es ist besonders biegsam und elastisch und hat eine vielfach höhere Festigkeit als Holz. Durch seine extrem dichte Zellstruktur verfügt er über eine sehr hohe Oberflächenhärte mit 4,0 HB (Härte Brinell). Eiche hat 3,4 HB.


Spinewert

Der Spine (Durchbiegung, Steifigkeit) wird ermittelt auf Grundlage einer Schaftlänge von 28“ wobei der Abstand der Auflagepunkte 26“ beträgt.

Das Prüfgewicht beträgt zwei englische Pfund (0,908kg). Es wird die Durchbiegung des Schaftes gemessen.

Je mehr Durchbiegung festgestellt wird, desto niedriger ist der Spinewert.

Spine Tester


Ermittlung des benötigten Spinewerts bei Holzschäften

Zur Auswahl des ‚richtigen’ Spinewerts kommen mehrere Einflussgrößen in Betracht:
(Quelle: Fletchers-Corner Wiki)

  • Art des Bogens (Langbogen Eibe, Langbogen Hickory, Selfbogen, Recurve, Reiterbogen etc.).
  • Schussfenster (bis zur Mitte, über Mitte, bei Reflex, bei Recurve, bei Deflex etc.).
  • Auszugslänge (bei kurzer Auszugslänge geringerer Spine, bei größerer Auszugslänge höherer Spine).
  • Spitzengewicht (bei größer als 125grain höherer Spine, bei kleiner 125grain weniger Spine).
  • Pfeildurchmesser.
  • Pfeilgewicht.

Es ist leicht zu erkennen, dass es keine Faustformel gibt, um den passenden Spine empirisch zu ermitteln. Es kann nur ein Näherungswert angenommen werden.


Spinewert für Bambusschäfte ermitteln

Beim Bambus können folgende Einflussgrößen noch ergänzt werden:

  • Anzahl der Nodien.
  • Verhältnis Anfangsdurchmesser zu Enddurchmesser (taper). Das sollte bei allen Pfeilen gleich sein.

Wenn man also durch viele Annahmen den statischen Spine ‚ermittelt‘ hat (Theorie), dann kann der dynamische Spine (Praxis) nochmals anders aussehen.

Dies alles trägt mehr zur Verwirrung als zur Lösung des Problems bei.

Aus der Erfahrung gewonnen, gibt es drei wesentliche Einflussgrößen bei der Auswahl von Bambusschäften:

  • Auf gleiches Gewicht der Schäfte achten
  • Auf gleiche Anzahl der Nodien auf dem Schaft achten (Nodien sind steife Stellen).
  • Schussfenster am Bogen vorhanden Ja/Nein.

Je weiter das Schussfenster eingeschnitten ist, desto weniger spielt der Spine eine Rolle und desto genauer entspricht der Spinewert des Bambusschafts dem Zuggewicht des Bogens.

In einem Spinebereich z.B. #40-45 kann es zu einer Streuung des Gewichts von bis zu 10 Gramm kommen. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Auswahl von Schäften in der gleichen Gewichtsgruppe zu erhalten. Wir bieten Schaftgruppen an, die auf +-0,5 Gramm ausgewogen sind.

Die Bambusschäfte sind 33“ (84cm) lang. Bei 28“ Auszug hat man also 5“ (12,7 cm) zum Verfahren, um ein 28“ 'Fenster' aus der Gesamtlänge von 33“ auszuwählen. Mit dieser Vorgehensweise kann dann eine Gruppe von Schäften ausgewählt werden, die den gleichen Durchmesser in einem Spinebereich hat.

Der aufgedruckte Spine beim Bambus ist also ein Orientierungswert, der durch einen Rohschafttest bestätigt werden muss.